Mercedes 6/25/38 PS und 10/40/65 PS, 1921 - 1924

Mercedes 6/25/38 PS und 10/40/65 PS, 1921 - 1924

Kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs wurden bei der DMG Versuche aufgenommen, die Leistung von Automobilmotoren durch Verwendung eines Kompressors zu steigern. Bereits im Jahr 1916 hatte man in Untertürkheim mit der Entwicklung und Erprobung von Flugmotoren begonnen, die mit einem Kompressor - damals noch Gebläse genannt - ausgerüstet waren. Initiiert wurde diese Entwicklung von Paul Daimler, dem damaligen Technischen Direktor der Daimler-Motoren-Gesellschaft. In zahlreichen Versuchen wurden die unterschiedlichsten Verdichterkonzepte getestet; eine brauchbare Lösung, bei der schließlich ein Roots-Gebläse zum Einsatz kam, lag erst im Jahre 1918 vor. Nach den Restriktionen des Versailler Vertrags, die in Deutschland die Produktion von Flugmotoren auf Leichtmotoren für Sportflugzeige beschränkten, lag es nahe, die bei der Kompressorentwicklung gewonnenen Erkenntnisse nun auch für Fahrzeugmotoren zu nutzen.

Die ersten Versuche, schiebergesteuerte Knight-Motoren mit einem Rootskompressor auszurüsten, waren aufgrund unlösbarer thermischer Probleme nicht erfolgreich, so dass man sich wieder konventionellen ventilgesteuerten Motoren zuwendete.

Erfolgreich zum Einsatz kam der Kompressor bei den ersten beiden nach dem Krieg neu konstruierten Motoren - relativ kleinen Vierzylinderaggregaten mit Königswelle, V-förmig hängenden Ventilen und Einzelzylindern aus Stahl, deren Konzeption wiederum vom Flugmotorenbau inspiriert worden war. Beim 2,6-Liter-Motor des 10/40 PS hatte man den Kompressor erst nachträglich angebracht, während die neue Technologie beim kleineren Bruder, dem 1,6-Liter-Aggregat des 6/25 PS bereits in der Konstruktionsphase berücksichtigt worden war.

Der Öffentlichkeit vorgestellt wurden beide Typen auf der Berliner Automobilausstellung im September 1921, allerdings noch als 6/20 PS und 10/35 PS. Die Serienproduktion lief im Frühjahr 1923 an, und ab 1924 kam der Leistungszuwachs durch das Gebläse dann auch in einer erweiterten Typenbezeichnung zum Ausdruck. Neben den Steuer-PS und der tatsächlichen Motorleistung war nun als dritte Zahl die Leistung mit eingeschaltetem Kompressor angegeben. Im gleichen Jahr endete die Produktion der beiden Modelle. Dass die Kompressor-Ära damit aber keineswegs beendet war, sondern im Gegenteil ihre große Zeit erst vor sich hatte, zeigte sich in Gestalt der neuen Spitzenmodelle 15/70/100 PS und 24/100/140 PS, die ebenfalls auf die Kompressortechnologie bauten und 1924 in Produktion gingen.

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