230 (W 143), 1936 - 1941

230 (W 143), 1936 - 1941

Der W 143 begann seine Karriere als Sonderausführung des Typ 200 mit langem Radstand. Ab Mai 1936 war gegen einen Aufpreis von RM 175,- ein 55-PS-Motor lieferbar. Die Typenbezeichnung dieser Version mit 2,3 l Hubraum blieb zunächst unverändert, nicht aber die interne Konstruktionsnummer, die für das hubraum- und leistungsstärkere Modell auf W 143 geändert wurde. Die Produktion der 2-l-Variante mit langem Radstand ging bereits im Mai 1936 stark zurück und lief im Juli 1936 endgültig aus. Obwohl das 2,3-l-Modell dementsprechend als echter Nachfolger fungierte, wurde die Typenbezeichnung erst Ende September 1936 angepaßt und in Typ 230 geändert.

Im Oktober erhielt der Motor einen Solex Doppel-Fallstromvergaser, der ihm bei nominell gleichbleibender Leistung zu größerer Spritzigkeit verhalf. Aufgrund der damals stark schwankenden Benzinqualitäten waren Zylinderköpfe mit unterschiedlicher Verdichtung lieferbar.

Auf der Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung im Februar 1937 präsentierte sich der Typ 230 in modellgepflegter Form. Auf den ersten Blick erkennbar war dies am geänderten Kühlergesicht. Die Scheinwerfer hatten einen etwas kleineren Durchmesser und stärker gewölbte Gehäuse, die nun an gegossenen Füßen direkt im Kotflügel befestigt waren. Damit entfiel die bei vielen Kunden recht beliebte verchromte Querstange vor dem Kühler. Die 6/7-sitzigen Modellvarianten hatten außerdem neu gestaltete Karosserien erhalten, die geräumiger waren und repräsentativer wirkten. Es gab auch eine Reihe von technischen Änderungen. Bei allen Modellen war die Spurweite an Vorder- und Hinterachse erhöht worden. Der Kraftstofftank hatte ein Volumen von 50 statt 45 l und befand sich nicht mehr im Motorraum, sondern im Fahrzeugheck.

Auf der IAMA in Berlin wurde das 2,3-l-Modell auch in der Ausführung mit normalem Radstand vorgestellt. Die Produktion der entsprechenden 2-l-Version war bereits im Dezember 1936 ausgelaufen. Diesmal war man konsequenter und nahm die Umbenennung zeitgleich vor. Aus dem Typ 200 (W 21) wurde der 230 N (W 143). Das "N" für "normaler Radstand" war zur Unterscheidung erforderlich, da man beim Typ 230, den es ja zunächst nur mit langem Radstand gab, auf den Zusatz "auf langem Fahrgestell" verzichtet hatte. Diese Tatsache spiegelt eine seinerzeit festzustellende Verschiebung des Kundeninteresses wider, das die Langversion zunehmend favorisierte. Diese entwickelte sich damit allmählich zur Normalversion. Mit der Präsentation der neuen 6/7-sitzigen Aufbauten wurde diese Tendenz noch verstärkt.

Die Karosserieauswahl beim 230 N orientierte sich am direkten Vorgänger. Außer dem Fahrgestell gab es 2-türige und 4-türige Limousinen, auf Wunsch mit Schiebedach, Cabriolet C und Cabriolet A sowie den 2-sitzigen Roadster. Lediglich die beiden Tourenwagen und die alte Ausführung des Cabriolet C mit hinten montiertem Reserverad waren nicht mehr lieferbar. Die technisch und stilistisch relevanten Änderungen für das Modelljahr 1937 kamen dem 230 N genauso zugute wie der Version mit längerem Radstand.

Im September 1937 wurde das bisherige Schnellganggetriebe bei allen Varianten des W 143 durch ein vollsynchronisiertes Vierganggetriebe mit direkt übersetztem vierten Gang ersetzt. Durch die günstigeren Übersetzungsverhältnisse und die geringeren Reibungsverluste der direkten Übersetzung im Getriebe verbesserte sich die Beschleunigung.

Nachdem sich die Marktakzeptanz des kurzen W 143 nicht wie erhofft entwickelte, wurde die Produktion nach nur 12 Monaten bereits im Dezember 1937 wieder eingestellt. In der Preisliste von Februar 1938 war der 230 N allerdings noch enthalten. Von Dezember 1936 bis Dezember 1937 hatte das Werk Untertürkheim 963 Exemplare gefertigt. Zusammen mit 3 Vorserienwagen vom Mai 1936 ergibt sich für den 230 N eine Gesamtstückzahl von 966 Einheiten. Der Zusatz "N" findet sich in offiziellen Publikationen meist als Großbuchstabe, zum Teil aber auch in Kleinschreibung, oder er fehlt ganz. Dieses Beispiel läßt einmal mehr erkennen, dass die Typenbezeichnungen in den 30er Jahren noch nicht so konsequent und einheitlich verwendet wurden wie heute.

Anfang 1938 erhielt der Typ 230 aus Gründen der Standardisierung breitere Felgen und Reifen des Formats 6,00-16, bei den 6/7-sitzigen Wagen 6,50-16. An der Hinterachse wurden doppelt wirkende hydraulische Stoßdämpfer eingebaut. Außerdem kamen für das Modelljahr 1938 neue robust wirkende Stoßstangen zum Einsatz, die die zierliche Ausführung der Jahre 1936/37 ersetzten.

Ein Jahr später, im Februar 1939, debütierte auf der IAMA in Berlin ein neuer Typ 230 mit der werksinternen Bezeichnung W 153. Er hatte den gleichen Motor wie der W 143, Fahrgestell und Karosserien waren jedoch völlige Neuentwicklungen. Der W 153 löste die 2-sitzigen und 4/5-sitzigen Varianten des W 143 ab, während die 6/7-sitzigen Ausführungen als Pullman-Limousine, Pullman-Landaulet und offener Tourenwagen noch bis März 1941 in Produktion blieben. Als Nachfolger dieser Varianten war der Typ 260 (W 159) vorgesehen, der sich im Endstadium der Entwicklung befand. Diesen Generationswechsel verhinderte der Zweite Weltkrieg.

Mit 20.290 Fahrzeugen erreichte der Typ 230 (W 143) nach dem 170 V die zweithöchste Produktionsstückzahl aller bis 1945 bei Daimler-Benz gebauten Personenwagen. 17.374 Einheiten entstanden zwischen Februar 1936 und März 1941 im Werk Untertürkheim, 1.950 Fahrzeuge produzierte das Werk Mannheim im Zeitraum Mai 1936 bis Juni 1937. Die Karosserien wurden überwiegend in Sindelfingen, zum Teil jedoch auch in Mannheim gefertigt.

Lade...