Benz 120 PS Grand-Prix-Rennwagen, 1908

Benz 120 PS Grand-Prix-Rennwagen, 1908
Gebaut für den Grand Prix von Frankreich; bildete 1909 die Basis für den "Blitzen-Benz".

Mit einer Teilnahme am französischen Grand Prix von 1908 beabsichtigte die Firma Benz & Cie., sich nach längerer Abwesenheit auch wieder im internationalen Top-Segment des Rennsports zu engagieren. Zu diesem Zweck galt es, einen konkurrenzfähigen Grand-Prix-Rennwagen zu entwickeln, eine Aufgabe, die von Hans Nibel und Louis de Groulart unter der Leitung des Chefkonstrukteurs Georg Diehl übernommen wurde. Der Belgier de Groulart war 1903 zusammen mit Marius Barbarou zu Benz nach Mannheim gekommen und hatte sich bald als Motorenkonstrukteur einen Namen gemacht. Die Chassiskonstruktion folgte bewährten Prinzipien, die auch der Hauptkonkurrent in Untertürkheim anwendete. Der Rahmen bestand aus Preßstahlprofilen, wobei die Längsträger über der Hinterachse gekröpft waren - nicht über der Vorderachse wie beim Mercedes. Auch der Benz war mit Stoßdämpfern ausgerüstet zum Einsatz kamen Federbanddämpfer an Vorder- und Hinterrädern.

Der von de Groulart konstruierte Vierzylindermotor hatte hängende Ventile, die über Stoßstangen und Kipphebel von einer untenliegenden Nockenwelle gesteuert wurden. Die Bohrung lag mit 154,9 mm an der zulässigen Grenze, und mit einem Kolbenhub von 165 mm ergab sich ein Hubraum von 12,4 l. Der Motor entwickelte eine Leistung von 120 PS bei 1400 /min.

Der erste Wagen wurde im März 1908 fertiggestellt und ausgedehnten Erprobungen unterzogen. Seinen ersten Renneinsatz erlebte er am 1. Juni beim Rennen Moskau-Petersburg über 686 km, das Héméry in der Rekordzeit von 8:30:48 als Sieger im Gesamtklassement beendete. Héméry erzielte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 80,6 km/h und konnte die Vorjahresbestzeit um ganze 51 Minuten unterbieten. Das nächste Rennen, der französische Grand Prix am 7. Juli 1908, verlief für Benz zwar nicht ganz so spektakulär, war aber dennoch als großer Erfolg zu werten. Nach Lautenschlager auf Mercedes gingen die Benz-Fahrer Héméry und Hanriot als zweiter und dritter durchs Ziel ihr Teamchef Fritz Erle belegte den siebten Platz. Beim Semmeringrennen am 20. September wurde der Benz 120 PS Rennwagen erneut eingesetzt, und Héméry belegte in der Klasse der Grand-Prix-Rennwagen den dritten Platz hinter Salzer und Poege auf Mercedes. Fritz Erle startete mit einem modifizierten Wagen, dessen Motor nun 150 PS leistete, und belegte in der Rennwagenklasse über 8 l den dritten Platz.

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