Nach anhaltenden Querelen um das Gordon-Bennett-Rennen und seine reglementbedingte Limitierung auf drei Teilnehmer pro Nation – ein Umstand, den vor allem die französischen Hersteller als unbefriedigend empfanden – sah sich der Automobile Club de France (A.C.F.) im Dezember 1904 veranlasst, für 1905 ein zweites großes Rennen unter der Bezeichnung „Grand Prix de l’A.C.F.“ anzukündigen, verbunden mit der Absicht, 1906 auch im Fall eines französischen Siegs beim Gordon-Bennett-Rennen 1905 kein Rennen um den Gordon-Bennett-Cup mehr auszurichten. Nach schwierigen Abstimmungen mit den französischen Automobilherstellern und dem erst kurz zuvor gegründeten Internationalen Automobilverband AIACR (Association Internationale des Automobile Clubs Reconnus) – einer Vereinigung der nationalen Automobil-Clubs, die den einseitigen französischen Vorstoß mehrheitlich ablehnten – gelang schließlich der Kompromiss, den Grand Prix de l’A.C.F. erst ab 1906 als Ersatz für den Coupe Internationale zu veranstalten.
Das Rennen fand am 26. und 27. Juni 1906 auf dem Rundkurs de la Sarthe unweit von Le Mans statt. Der 103,18 Kilometer lange Dreieckskurs war an beiden Tagen jeweils sechsmal zu umfahren, entsprechend einer Gesamtdistanz von 1238 Kilometern. An den Start gingen 32 Rennwagen von 12 Herstellern, darunter drei Mercedes 125 PS, die von Camille Jenatzy, dem Italiener Vincenzo Florio und dem Franzosen Mariaux gesteuert wurden. Nach zwei strapaziösen Tagen und einer Fahrzeit von insgesamt 12 Stunden und 14 Minuten siegte Ferenc Szisz auf Renault; außer ihm erreichten nur 10 weitere Wagen das Ziel, darunter die beiden Mercedes von Alexander Burton und Mariaux, die allerdings als letzte mit mehr als vier Stunden Rückstand auf den Sieger eintrafen. Der dritte Mercedes mit Vincenzo Florio hatte bereits in der letzten Runde des ersten Tags nach einem Reifenschaden mit Felgendefekt aufgeben müssen. Burton war zu Beginn des zweiten Tages als Ersatzfahrer für Jenatzy eingesprungen, nachdem dieser das Rennen mit stark entzündeten Augen am Ende des ersten Tages abbrechen musste. Den feinen Abrieb der geteerten Strecke hatten die Schutzbrillen nicht abhalten können, und Jenatzy war so sehr beeinträchtigt, dass er sich einer Augenoperation unterziehen musste.
Der große Zeitverzug, mit dem die beiden Mercedes im Ziel eintrafen, lag vor allem in Reifendefekten begründet. Dies sah auch die Fachpresse so; die „Allgemeine Automobil-Zeitung“ zitierte in ihrer Ausgabe vom 8. Juli 1906 den Pariser „New York Herald“: „Die zwei Mercedes, die für den zweiten Tag übrig blieben, waren infolge von Pneumatikschäden hoffnungslos geschlagen. Immer und immer wieder fanden sich Mariaux und Mr. Burton (dieser war für Jenatzy eingesprungen) ohne einen Reifen an dem rechten Hinterrad und sie mußten kilometerlang auf den Felgen fahren. Die Maschinen selbst gingen großartig. Mariaux, den ich heute abends sah, sagte mir dass während der ganzen 1200 km an seinem Motor nicht das geringste passierte, und Jenatzy, dessen Augen durch den Staub furchtbar in Mitleidenschaft gezogen waren, sagte mir dasselbe. […] Die abnehmbare Felge, die von dem Sieger Szisz verwendet wurde, trug hauptsächlich zu dem Siege des Renault Wagens bei. Szisz wechselte die Pneumatiks während der ganzen 1200 km nicht weniger als neunzehnmal, doch mit Hilfe der abnehmbaren Felge wurden bei diesen Operationen jedesmal kaum fünf Minuten verloren. Kein Zweifel, daß alle Maschinen, die das Rennen vollendeten und offiziell klassifiziert wurden, gleich gut sind. Hätten alle unverletzbare Pneumatiks gelabt, so hätten sie möglicherweise alle in sehr kurzen Zeitintervallen voneinander das Ziel erreicht.“
Ergebnis:
| Pos. | Start-Nr. | Fahrer | Fahrzeug | Runden | Zeit (h:m:s) |
| 1 | 3 A | Ferenc Szisz | Renault | 12 | 12:14:07 |
| 2 | 2 B | Felice Nazzaro | Fiat | 12 | 12:46:26,4 |
| 3 | 13 A | Albert Clément | Clément Bayard | 12 | 12:49:46,2 |
| … | |||||
| 10 | 6 A | Camille Jenatzy/Alexander Burton | Mercedes 120 PS | 12 | 16:18:42,8 |
| 11 | 6 B | Mariaux | Mercedes 120 PS | 12 | 16:38:51,6 |
| … | |||||
| DNF | 6 C | Vincenzo Florio | Mercedes 120 PS | 5 |