Mercedes 6/40/65 PS Rennwagen, 1922

Mercedes 6/40/65 PS Rennwagen, 1922
Der erste Kompressor-Rennwagen der DMG, konstruiert von Paul Daimler

Ende 1921 beschloß die DMG, einen neuen Rennwagen der Voiturette-Klasse bis 1,5 l Hubraum zu entwickeln. Mit dem Serien-Pkw Typ 6/20 PS, der im September auf der Deutschen Automobil-Ausstellung in Berlin debütiert hatte, stand bereits eine geeignete Ausgangsbasis zur Verfügung. Der 6/20 PS war zusammen mit seinem gleichzeitig präsentierten Schwestermodell 10/35 PS die erste Pkw-Neuentwicklung der DMG nach dem Ersten Weltkrieg. Beide Typen wiesen eine bahnbrechende Neuerung auf, die der DMG und ihren Produkten Weltruhm einbringen sollte: die von Paul Daimler initiierte Kompressor-Aufladung. Diese Innovation hatte sich bei Flugmotoren bereits bewährt, um dort den Leistungsverlust in großen Höhen zu kompensieren. Die Serienproduktion der beiden Pkw-Modelle, nach einer Leistungssteigerung mittlerweile als 6/25/40 PS und 10/40/65 PS bezeichnet, lief mit großen Verzögerungen erst Anfang 1923 an.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Rennmotor, den man seit Ende 1921 aus dem 1,5 l-Aggregat des kleineren Modells entwickelt hatte, bereits seinen ersten Einsatz hinter sich. Der M 65134 wies gegenüber dem Serienmotor M 68084 geänderte Zylinderabmessungen, vier Ventile pro Zylinder sowie zwei obenliegende Nockenwellen auf. Mit diesen Maßnahmen konnte die Leistung auf nominell 40 PS, bzw. 65 PS mit eingeschaltetem Kompressor, gesteigert werden. Spätere Leistungsmessungen eines solchen Motors auf dem Prüfstand ergaben eine effektive Leistung von 54 PS bei 4000 /min, die sich mit Kompressor auf 72 PS erhöhte und bei 4500 /min sogar 79 PS erreichte. Mit dem Prinzip der Aufladung konnte die DMG bei festgelegtem Hubraum also einen echten Vorteil nutzen, zumindest in der Theorie.

Das Fahrgestell, in das der Kompressormotor eingebaut wurde, war zwar neu angefertigt worden, verwendete aber die Serienkomponenten des späteren 6/25/40 PS. Die Unterschiede bestanden in einem verlängerten Radstand, größer dimensionierten Hinterradbremsen und zusätzlichen Trommelbremsen auch an den Vorderrädern.

Seinen ersten Renneinsatz erlebte der 1,5 l-Rennwagen im April 1922 bei der Targa Florio in Sizilien neben zwei Grand-Prix-Rennwagen von 1914 und zwei 28/95 PS Rennsport-Tourenwagen, von denen einer ebenfalls mit Kompressor ausgerüstet war, umfaßte das Werksteam auch zwei Exemplare des ersten Kompressor-Rennwagens. Den ersten Platz belegte zwar ein Mercedes, allerdings ein privat gemeldeter Grand-Prix-Rennwagen von 1914, der von Graf Giulio Masetti gefahren wurde und in der für Italien reservierten Rennfarbe Rot lackiert war. Dagegen brachte es Paul Scheef mit einem der beiden 1,5 l-Kompressorwagen im Gesamtklassement nur auf Platz 20. Der Italiener Fernando Minoia, der den zweiten Kompressorwagen pilotierte, mußte aufgeben.

Einer der beiden Wagen wurde zwar noch für Versuche mit aerodynamisch optimierten Karosserien verwendet, ein Renneinsatz erfolgte jedoch nicht mehr. Trotz seines etwas unglücklichen Starts begründete der 6/40/65 PS eine ganze Ahnenreihe von Kompressor-Rennwagen, die ab 1924 außergewöhnliche Erfolge erzielten und damit Weltruhm erlangten.

Der seriennahe 6/25/40 PS Tourensportwagen, dessen Motor ja als Basis für das Hochleistungs-Rennaggregat gedient hatte, wurde ab 1923 bei zahlreichen Veranstaltungen mit großem Erfolg eingesetzt. Auf einem solchen Fahrzeug erzielte auch Rudolf Caracciola seine ersten Mercedes-Erfolge.

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