Mercedes-Benz 12-Zylinder-Rekordwagen W 154 mit freistehenden Rädern, 1939

Mercedes-Benz 12-Zylinder-Rekordwagen W 154 mit freistehenden Rädern, 1939
3-l-Rekordwagen mit Stromlinienkarosserie auf Basis des W 154, für Rekordfahrten mit stehendem Start

Für spezielle Einsätze außerhalb der Rundstreckenrennen, wie Bergrennen oder Rekordfahrten, hatte Daimler-Benz vom W 154 ein besonders leichtes Fahrgestell gebaut, das die laufende Nummer 11 trug. Neben Gewicht und Motorleistung war für solche Rennen aber aufgrund der hohen erreichten Geschwindigkeiten auch die Aerodynamik entscheidend. Bereits seit 1935 hatte sich Daimler-Benz an dieser Thematik geforscht, nicht zuletzt wegen Hochgeschwindigkeitskursen wie die Avus, Monza oder Tripolis.

Auch der W 154 profitierte von dieser Forschung: Ein W 154 Modell mit freistehenden Rädern, aber ohne Verkleidung wies einen cw-Wert von 0,587 auf, Radverkleidungen senkten diesen Wert auf 0,406. Für den Rekordversuch 1939 erhielt der W 154 daher eine maßgeschneiderte Karosserie in zwei Ausführungen. Für den stehenden Start verwendete man eine Karosserie mit freistehenden Rädern, die jedoch voll verkleidet waren. Dass dadurch der Wendekreis deutlich eingeschränkt war, stellte kein Problem dar, fuhr man bei den Rekordfahrten schließlich nur geradeaus. Aus demselben Grund setzte man auch ein zu 100 Prozent gesperrtes Differential ein.

Für die Rekordfahrten wurde zudem konsequenter Leichtbau jenseits des Fahrgestells betrieben. So ließ man die Vorderradbremse weg, die Bremstrommeln an der Hinterachse wurden verschmälert, Ölkühler und weitere Komponenten wurden entfernt. Die Getriebeabstimmung stellte ein Problem dar, da sich ein Konflikt zwischen dem gefahrenen Kilometer und der Meile ergab auf Grund der jeweils unterschiedlichen erreichten Höchstgeschwindigkeiten. Nachdem ein Wechsel des Getriebes zwischen den Fahrten nicht in Frage kam, setzte man stattdessen auf verschiedene Reifengrößen: Für den Kilometer verwendete man 19-Zoll-Reifen, bei der Meile kamen 22-Zoll-Reifen zum Einsatz. Dadurch konnte bei gleichem Getriebe ein jeweils optimales Übersetzungsverhältnis hergestellt werden.

Anfang Februar 1939 fuhr Caracciola auf der neuen Rekordstrecke auf der Autobahn Leipzig-Berlin zwischen Dessau und Bitterfeld neue Bestwerte in der Klasse D (zwei bis drei Liter Hubraum): 175,1 km/h für den stehenden Kilometer und 204,53 km/h für die stehende Meile. Am 14. Februar verbesserte man den Wert für den stehenden Kilometer noch einmal auf 177,43 km/h. Dieser Erfolg markierte jedoch für fast vier Jahrzehnte das Ende der Rekordfahrten bei Daimler-Benz.

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