S-Klasse Limousinen der Baureihe 220, 2002 - 2005

S-Klasse Limousinen der Baureihe 220, 2002 - 2005

Im Herbst 2002 wurde die S-Klasse der Baureihe 220 in modellgepflegter Ausführung präsentiert. Mit neuen herausragenden technischen Leistungen und einem frischen Erscheinungsbild dokumentierte sie auch weiterhin ihre Rolle als Vorbild und Trendsetter für die gesamte Pkw-Entwicklung.

Dezente Design-Modifikationen kennzeichneten die S-Klasse des Modelljahrgangs 2003 auch optisch und betonten den agilen sowie eleganten Charakter der Limousine noch stärker. Dazu trug zum Beispiel der vordere Stoßfänger bei, dessen neu geformter unterer Lufteinlass die Karosserie optisch breiter und damit noch kraftvoller erscheinen ließ. Auch die Kühlermaske wurde überarbeitet: Die Designer hatten sie in der Höhe vergrößert und steiler als bisher angeordnet. Wichtigstes Merkmal der stilistischen Modellpflege waren die schwungvoll gezeichneten Scheinwerfer, die durch ihre moderne Klarglas-Optik und die hochglänzenden Reflektorflächen zusätzliche Brillanz in das Erscheinungsbild der Limousine brachten. Auch die Gehäuse der Außenspiegel und die Rückleuchten erschienen in neuer, noch eleganterer Optik.

Im Innenraum hatten die Mercedes-Benz Designer mehr als 40 Elemente neu gestaltet oder durch den Einsatz neuer Materialien nochmals aufgewertet. So steigerten sie den Komfort der Passagiere und boten ihnen ein noch luxuriöseres Ambiente. Die dezenten Chromleisten an den Edelholz-Zierstäben, die verbesserte Polsterung der Sitze und die neuen, formschönen Schalter waren nur drei Beispiele für die sorgfältige Modellpflege im Detail. Unter dem Namen designo couture stand ein exklusives Ausstattungspaket zur Auswahl. Es beinhaltete unter anderem besonders hochwertige Nappa- und Nubuk-Ledersorten, anthrazitfarbene Zierteile aus Pappel- oder Ahorn-Edelholz sowie einen mit feinem Alcantara bezogenen Dachhimmel.

Die Sitze der S-Klasse wurden gründlich überarbeitet, sodass Fahrer und Beifahrer durch weicheren Aufbau und neue Polstertechnik einen noch höheren Sitzkomfort erlebten als bisher. Als Maßstab in der modernen Autositztechnik galt der neuartige fahrdynamische Multikontursitz, der jetzt auf Wunsch für die S-Klasse lieferbar war. Er war mit mehreren Luftkammern ausgestattet, die sich je nach Situation automatisch füllten oder leerten, sodass er Fahrer und Beifahrer in Kurven eine perfekte Seitenführung bot. Die elektropneumatische Steuerung übernahm ein Computer im Sitz. Er verarbeitete binnen Sekundenbruchteilen Daten wie Lenkwinkel, Querbeschleunigung und Fahrgeschwindigkeit, um den Fülldruck und das Volumen der Luftkammern situationsgerecht zu variieren. So pumpte das System beispielsweise in einer Linkskurve die Luftkammern in der rechten Lehnenseite stärker auf und erhöhte auf diese Weise den Seitenhalt der Passagiere.

Das Bedien- und Anzeigesystem COMAND gehörte nun zur  Serienausstattung aller Typen der Baureihe 220. Es zeichnete sich gegenüber dem bisherigen Gerät durch ein größeres und damit noch übersichtlicheres Farbdisplay (6,5 Zoll) im 16:9-Format aus. Im Topmodell S 600 war COMAND serienmäßig mit dem Navigationssystem gekoppelt.

An der Spitze der zukunftsweisenden Hightech-Innovationen stand das vorbeugende Insassenschutzsystem PRE-SAFE®, mit dem Mercedes‑Benz in eine neue Ära der Automobilsicherheit startete. PRE-SAFE® konnte einen drohenden Unfall bereits im Voraus erkennen und Insassen und Fahrzeug präventiv darauf vorbereiten.

Zum vorausschauenden Insassenschutz der S-Klasse gehörte zum Beispiel die sekundenschnelle Straffung des Gurtbandes, die Fahrer und Beifahrer schon vor einer drohenden Kollision in die bestmögliche Sitzposition brachte, damit die Airbags beim Aufprall optimal arbeiten konnten. Gleichzeitig brachte PRE-SAFE® den Beifahrersitz und die elektrisch einstellbaren Einzelsitze der Fondpassagiere in optimale Positionen und schloss beim Schleudern des Fahrzeugs zusätzlich automatisch das Schiebedach.

Dieses Sicherheitssystem basierte auf Erkenntnissen der Mercedes-Benz Unfallforschung, wonach bei rund zwei Drittel aller Verkehrsunfälle zwischen dem Erkennen einer drohenden Kollision und dem eigentlichen Crash eine relativ lange Zeitphase vergeht. Sie wurde mit PRE-SAFE® für vorbeugende Schutzmaßnahmen genutzt, die das Verletzungsrisiko der Auto-Insassen weiter verringern können. Die S-Klasse des Modelljahrgangs 2003 markierte den Einstieg in dieses wegweisende Konzept.

Für die vorausschauende Unfallerkennung nutzte PRE-AFE® Sensoren des Elektronischen Stabilitäts-Programms ESP® und des Brems-Assistenten BAS, die einen kritischen Fahrzustand erkannten. Die Komponenten des Systems waren reversibel: Wurde der Unfall im letzten Moment verhindert, ließ die präventive Gurtstraffung automatisch nach, und die Insassen konnten Sitze und Schiebedach in ihre Ausgangspositionen zurückstellen. PRE-AFE® war dann sofort wieder funktionsbereit.

Das System war das Ergebnis einer rund sechsjährigen intensiven Entwicklungsarbeit der Mercedes-Benz Ingenieure. An der Erprobung und Feinabstimmung des neuartigen Systems waren hunderte Autofahrerinnen und Autofahrer beteiligt, die PRE-SAFE® auf Teststrecken und im Berliner Fahrsimulator des Unternehmens „erlebten". Diese Akzeptanzuntersuchungen brachten eindeutige Ergebnisse: Der vorbeugende Insassenschutz schränkt weder die Handlungsfreiheit des Autolenkers noch die Fahrbarkeit des Wagens ein, sondern steigert das subjektive Sicherheitsempfinden der Auto-Insassen.

Darüber hinaus wurde der Insassenschutz der S-Klasse durch so genannte Up-Front-Sensoren im Vorbau der Karosserie verbessert. Diese Sensoren ermöglichten beim Crash eine frühzeitige Erkennung der jeweiligen Aufprallschwere und gestatteten damit eine situationsgerechte Steuerung des Beifahrer-Airbags in zwei Stufen. Überdies erlaubten sie eine noch frühere Aktivierung der Gurtstraffer, damit die Insassen beim Aufprall bestmöglich angeschnallt waren. Neu war auch die automatische Gewichtsklassifizierung des Beifahrers mit Hilfe einer Spezialfolie im Sitzpolster. So wurde der rechte Airbag nicht nur je nach Unfallschwere, sondern auch je nach Gewicht des Mitfahrers zweistufig aktiviert.

Auf dem Gebiet der Fahrsicherheit und der Traktion setzte die S-Klasse ab Herbst 2002 mit der elektronisch gesteuerten 4MATIC neue Akzente. Als Option war der permanente Allradantrieb für die Ottomotormodelle mit Sechs- und Achtzylindermotoren lieferbar. Auf Eis oder Schnee, auf rutschigem Kopfsteinpflaster, bei Nässe oder anderen widrigen Straßenzuständen bot die 4MATIC bei Mercedes-Benz typischem Fahrkomfort ein noch höheres Maß an Traktion und unterstützte den Autofahrer durch das Zusammenspiel mit ESP®, kritische Situationen sicher und souverän zu meistern. Anstelle herkömmlicher Differenzialsperren nutzte die 4MATIC das elektronisch gesteuerte Traktions-System 4ETS. Es schaltete sich automatisch ein, wenn ein oder mehrere Räder an Fahrbahnhaftung verloren und bremste sie individuell ab. Dadurch erhöhte sich gleichzeitig das Antriebsmoment an den Rädern mit ausreichender Traktion.

Mit zwei Sechszylindern, drei V8-Motoren und einem Zwölfzylinder-Triebwerk bot die S-Klasse der Baureihe 220 die umfangreichste Motorenpalette in diesem Marktsegment. Das Leistungsspektrum der Triebwerke reichte von 150 kW (204 PS) bis 368 kW (500 PS) beim Topmodell S 600.

An der Spitze des Motorenprogramms stand ein neu entwickelter Zwölfzylinder mit Biturbo-Aufladung, Wasser-Ladeluftkühlung und anderen Hightech-Innovationen. Aus 5,5 Liter Hubraum entwickelte der aus modernen Leichtbau-Werkstoffen hergestellte V12‑Motor 368 kW (500 PS) und zählte damit zu den leistungsstärksten Triebwerken seiner Klasse. Das maximale Drehmoment von 800 Newtonmeter erreichte der neue Mercedes-Benz Zwölfzylindermotor bereits bei 1800/min und beschleunigt die Top-Limousine S 600 in 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Die bewährten Sechszylindermotoren für die S-Klasse wurden weiterentwickelt und in Leistung wie Drehmoment nochmals gesteigert: Der auf 3,7 Liter vergrößerte Hubraum des V6‑Benzinmotors ermöglicht eine Leistungssteigerung von 12,5 Prozent auf 180 kW (245 PS) und ein Drehmomentplus von rund 11 Prozent auf 350 Newtonmeter bei 3000/min. Der Kraftstoffverbrauch des neuen S 350 blieb mit 11,1 Liter je 100 Kilometer (NEFZ-Gesamtverbrauch) auf einem für diese Hubraumklasse vorbildlichen Niveau.

Der modifizierte Sechszylinder-Dieselmotor gehörte zur zweiten Generation der von Mercedes-Benz entwickelten Common-Rail-Triebwerke, die mehr Durchzugskraft und Elastizität bei noch geringerem Kraftstoffverbrauch boten. Die Leistung des 3,2‑Liter-Triebwerks stieg auf 150 kW (204 PS), und das maximale Drehmoment erreichte mit 500 Newtonmeter bei 1800/min einen neuen Spitzenwert. Der Kraftstoffverbrauch des S 320 CDI betrug 7,7 Liter je 100 Kilometer (NEFZ-Gesamtverbrauch) - knapp 4 Prozent weniger als bisher.

Ab September 2003 wurden die Achtzylindermodelle S-‑Klasse S 430 und S 500 mit dem neuen Automatikgetriebe 7G-TRONIC ausgestattet, das herausragende Eigenschaften bot: Es reduzierte nicht nur den Kraftstoffverbrauch deutlich, sondern schaltete gleichzeitig schneller und komfortabler als bisherige Automatikgetriebe. Das neue Automatikgetriebe, das für ein hohes Dauerdrehmoment von 700 Newtonmetern ausgelegt war, löste die bisherige Fünfgang-Automatik ab. Die neu entwickelte 7G-TRONIC bildete die fünfte Generation von Automatikgetrieben der Marke Mercedes‑Benz und setzte damit eine langjährige Tradition fort: Seit 1959 hatte die Stuttgarter Automarke mehr als elf Millionen Automatikgetriebe gebaut. Dank beachtlicher Fortschritte in verschiedenen technischen Disziplinen setzte die neue Siebengang-Automatik deutliche Akzente bei Kraftstoffverbrauch, Komfort und Fahrspaß. Mithilfe der neuen 7G-TRONIC verringerte sich der NEFZ-Gesamtverbrauch je nach Modell um bis zu 0,6 Liter je 100 Kilometer (NEFZ) - das waren rund 5 Prozent. Im Alltagsfahrbetrieb war eine Kraftstoffersparnis von deutlich mehr als einem Liter pro 100 Kilometer möglich. Die Schaltzeiten verkürzten sich um 0,1 bis 0,2 Sekunden, sodass der drehmomentstarke V8-Motor noch spontaner auf Gaspedalbewegungen reagierte. Zudem erfolgten die einzelnen Schaltvorgänge weicher, und das Geräuschniveau verringerte sich. Bei gleicher Motorisierung verkürzte sich die Beschleunigungszeit beim Spurt von 0 auf 100 km/h um bis zu 0,3 Sekunden gegenüber der bisherigen bewährten Fünfgang-Automatik. Bei der für zügiges Überholen wichtigen Beschleunigung von 60 auf 120 km/h vergingen mit der Siebengang-Automatik sogar bis zu 2,1 Sekunden weniger.

AMG präsentierte im Dezember 2003 den S 65 AMG - das bislang stärkste Automobil der mehr als 35jährigen Geschichte der Performance-Marke. Die dynamische Luxus-Limousine wurde von einem neu konstruierten 6,0-Liter-V12-Motor angetrieben, der dank Biturbo-Aufladung eine in dieser Hubraumklasse bisher ungekannte Kraftentfaltung bot: Der AMG-Zwölfzylindermotor leistete 450 kW (612 PS) und entwickelte ein maximales Drehmoment von 1000 Newtonmetern, das zwischen 2000 und 4000/min zur Verfügung stand. Die imposanten Motordaten sorgten für Fahrleistungen in einer neuen Dimension: Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgte in 4,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit betrug 250 km/h (elektronisch begrenzt). Maßgebend für die eindrucksvolle Leistungsentfaltung waren neben der völlig neu konzipierten Biturbo-Aufladung mit größer dimensionierten Turboladern und der neu gestalteten, leistungsfähigeren Ladeluftkühlung auch die Hubraumerhöhung auf 5980 Kubikzentimeter sowie zahlreiche weitere innermotorische Maßnahmen. Die Kraftübertragung übernahm das AMG SPEEDSHIFT Fünfgang-Automatikgetriebe mit Lenkradschaltung. Das hohe Drehmoment von maximal 1200 Newtonmeter verlangte eine elektronische Begrenzung auf 1000 Newtonmeter und eine Verstärkung verschiedener Getriebe-Komponenten, wie neu entwickelte Kupplungslamellen mit hochwertiger Metallbeschichtung und eine modifizierte Schalt- und Wandlerüberbrückungslogik. Dem hohen Leistungs- und Drehmomentangebot trugen zudem modifizierte Antriebswellen und größer dimensionierte Radträger Rechnung. Der S 65 AMG hatte für Fahrer und Beifahrer fahrdynamische Multikontursitze mit elektrischer Verstellung, Memory und Sitzheizung sowie AMG-typischer Sitzgrafik und Perforation. Der besondere Stil des Zwölfzylinder-Topmodells wurde durch das AMG-Kombi-Instrument mit 360 km/h-Skala, das AMG-Ergonomie-Sportlenkrad mit Schalttasten sowie verchromte Edelstahl-Einstiegsleisten mit AMG-Logo abgerundet.

Auch der 368 kW (500 PS) starke S 55 AMG wurde in leicht überarbeiteter Fassung angeboten: Gegenüber dem Vorgängerfahrzeug bot das AMG-Modell eine noch hochwertigere Serienausstattung im Gegenwert von bis zu 11.000 Euro. Neben der Ausführung mit langem Radstand stand der S 55 AMG auch als besonders fahraktive Top-Limousine mit kurzem Radstand zur Wahl.

Den integrierten Sonderschutz bot Mercedes-Benz seinen Kunden auch für die modellgepflegte S-Klasse an. Ab Werk rüstete die Stuttgarter Automarke die V8-Limousine S 500 (Langversion) und das neue Zwölfzylinder-Topmodell S 600 so aus, dass sie den europäischen Widerstandsklassen B4 (Hochschutz) oder B6/B7 (Höchstschutz) entsprachen. Damit hielten die von unabhängigen Institutionen erfolgreich geprüften Karosserien - je nach Ausführung - Angriffen mit Pistolen, Gewehren, Handgranaten oder Sprengstoff-Attentaten stand. Für die extrem hohe Widerstandskraft sorgten unter anderem Armierungen aus hochmodernen Werkstoffen wie Glas-Kunststoff-Kombinationen und hochfester Spezialstahl (Hochschutz-B4) oder Spezialstahl im Verbund mit Kunststoffelementen (Höchstschutz-B6/B7). Äußerlich waren die Sonderschutzmodelle S-Guard kaum von einer serienmäßigen Limousine der S-Klasse zu unterscheiden. Das Mercedes-Benz Guard-Topmodell S 600 leistete dank seines neu entwickelten Biturbo-Triebwerks 368 kW (500 PS) und zählte damit zu den leistungsstärksten Limousinen seiner Klasse. Bereits ab 1800/min stellte der Zwölfzylindermotor ein maximales Drehmoment von 800 Newtonmetern zur Verfügung und beschleunigt den S-Guard in Höchstschutz in nur 6,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der S 500 war mit dem bewährten, 225 kW (306 PS) starken V8-Triebwerk ausgerüstet.

Eine Taxi-Ausführung der S-Klasse gab es auch. In ihr wurden innovative technische Finessen realisiert, die ganz speziell auf die Bedürfnisse der Branche zugeschnitten waren. Dabei markierte Mercedes-Benz mit einigen Detaillösungen eine Trendwende auf dem Taxi-Sektor: Sondergeräte wurden so weit wie möglich in bereits bestehende Funktionseinheiten integriert. So war beispielsweise ein im Innenspiegel enthaltener Taxameter im Lieferumfang des Taxi-Pakets enthalten. Der optimal ausgenutzte Innenraum bot dadurch deutlich mehr Komfort und Sicherheit. Gleichzeitig gewann das Fahrzeug nochmals an Wiederverkaufswert, da keine bleibenden Spuren an den Konsolen an die frühere Verwendung des Fahrzeugs als Taxi erinnerten.

Im Herbst 2005, rund drei Jahre nach der Markteinführung der modellgepflegten Varianten, wurde die S-Klasse der Baureihe 220 von der vollkommen neu entwickelten Modellreihe 221 abgelöst. Bis Dezember 2005 waren im Werk Sindelfingen insgesamt 484.683 Limousinen der Baureihe 220 entstanden. Zum erfolgreichsten Modell dieser S-Klasse-Generation wurde der S 500 lang mit 108.823 gebauten Exemplaren.

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